Mehr Wissen zu Autos

Autohersteller unter Zugzwang

Hier finden Sie Informationen zum Abgasskandal, Stickstoffoxidemissionen von Dieselfahrzeugen, drohenden Fahrverboten und Blauer Plakette.

Diesel stoßen im realen Fahrbetrieb zu viele Stickoxide (NOx) aus

Der Abgas-Skandal hat ans Licht gebracht, dass mehrere Hersteller die Abgaswerte von Dieselfahrzeugen geschönt haben:  Eine Software erkennt die typische Testsituation und sorgt dafür, dass der Motor auf dem Prüfstand weniger Schadstoffe  wie  z.B. NOx  ausstößt. Im echten Fahrbetrieb wird die Abgasreinigung dagegen reduziert oder ganz ausgeschaltet, was zum Teil deutlich höhere Schadstoff-Emissionen auf der Straße als in der Testsituation zur Folge hat. Das Kraftfahrtbundesamt hat angeordnet, dass diese Autos nachgerüstet werden müssen. Fahrzeughalter, die vom Dieselskandal betroffen sind, finden bei Stiftung Warentest eine umfangreiche Fragen- und Antwortliste.

Mehrere Untersuchungen haben mittlerweile gezeigt, dass sogar die große Mehrzahl aller auf dem Markt befindlichen Euro 6 Diesel den geforderten Abgasgrenzwert von 80 mg NOx /km  nur im Labor, aber nicht auf der Straße einhält. Erst im April 2017 teilte das Umweltbundesamt mit, dass neue Euro 6 Diesel auf der Straße im Schnitt sechs Mal mehr Stickoxide ausstoßen als in der Testsituation erlaubt.

Ab Herbst müssen neue Fahrzeugtypen die Abgasnorm Euro 6 d Temp, abgekürzt Euro 6d erfüllen. Hier wird die Einhaltung der Grenzwerte auch auf der Straße überprüft, allerdings dürfen die Fahrzeuge den eigentlich gültigen Grenzwert zunächst noch um den Faktor 2,1  überschreiten: statt 80 mg NOx/km werden auf der Straße 168 mg NOx/km toleriert.

Der Kraftstoffverbrauch auf der Straße ist höher als deklariert

Eine Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) aus dem Jahr 2016 zeigt, dass die Kohlendioxid (CO2)-Emissionen und damit auch der Kraftstoffverbrauch neuer Pkw-Modelle in Europa im Alltagsbetrieb durchschnittlich um etwa 40 Prozent höher liegen, als die unter Laborbedingungen ermittelten offiziellen Werte. Der Grund für die Diskrepanz: Hersteller können bei der Testprozedur auf dem Rollenprüfstand viele Schlupflöcher ausnutzen, um den Verbrauch im Labor zu drücken. Zu den legalen Tricks auf dem Rollenprüfstand zählen zum Beispiel extremes Aufpumpen der Reifen für geringeren Rollwiderstand oder der Einsatz von besonders leichten Basismodellen für die Tests. Ab Herbst 2017 soll eine neue, strengere Testprozedur für realistischere Angaben zu Verbrauch und Schadstoffausstoß sorgen.

EU-Gesetzgebung: Realistischere Verbrauchs- und Abgastests ab Herbst 2017

Bei Zulassungen neuer Fahrzeugtypen wird ab September 2017 der  bisher auf dem Rollenprüfstand angewendete Neue Europäische Fahrzyklus (NEFZ) durch das neue weltweit harmonisierte Testverfahren (WLTP, Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) abgelöst. Diese Testprozedur soll näher an der Realität liegen. Beispielsweise hat sie eine größere Höchstgeschwindigkeit und weniger Standzeiten. Außerdem sind Parameter wie Temperatur und Reifendruck vorgegeben.

Wie der NEFZ ist auch der WLTP ein Test auf dem Rollenprüfstand und damit anfällig für Manipulationen. Deshalb kommen ab Herbst 2017 auch Abgasmessungen auf der Straße, sogenannte Real Driving Emissions (RDE)-Messungen hinzu. Diese betreffen zunächst nur NOx-Emissionen und den Partikelausstoß betreffen. Außerdem gilt ein Konformitätsfaktor: bei den RDE-Messungen dürfen Neuwagen den Grenzwert für NOx von 80 mg/km  um einen festgelegten Faktor überschreiten. Bis 2020 beträgt der Faktor 2,1, dann soll er auf 1,5 abgesenkt werden.

Die Luft in Deutschlands Städten ist nicht sauber genug

In den EU-Rechtsvorschriften über die Luftqualität (Richtlinie 2008/50/EG) sind Grenzwerte für Luftschadstoffe, darunter auch Stickstoffdioxid, festgelegt. An gut der Hälfte (57%) der verkehrsnahen Messstationen in Deutschland wurde 2016 der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) im Jahresmittel überschritten. Die EU-Kommission hat Deutschland mehrfach aufgefordert, wirksame Maßnahmen zu treffen, um die wiederholte Überschreitung der Grenzwerte für Stickstoffoxide zu beenden. Wird die Luft in Deutschland nicht sauberer, drohen im nächsten Schritt eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof und hohe Strafzahlungen.

Blaue Plakette

Das Umweltministerium hatte 2016 die Einführung einer Blauen Plakette vorgeschlagen - in Ergänzung zu den bisherigen Schadstoffplaketten. Die Blaue Plakette sollten dabei nur saubere Fahrzeuge bekommen, die nicht nur wenig Feinstaub, sondern auch wenig Stickstoffoxide ausstoßen. Kommunen hätten damit ein Instrument, um  Diesel-Fahrzeuge, die nicht die strengste Abgasnorm Euro 6 erfüllen, aus Umweltzonen der blauen Stufe zu verbannen. Ob und - wenn ja - wann die Blaue Plakette eingeführt wird und welche Kriterien für die Erteilung gelten sollen ist derzeit unklar. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordern die Blaue Plakette weiterhin und betonen, dass Fahrzeuge sie nur erhalten sollen, wenn sie die Schadstoffwerte der Euro 6-Norm auch im realen Betrieb auf der Straße und nicht nur im Labor einhalten. Nach der Definition der Umweltverbände wären folgende Fahrzeuge sauber genug, um die Blaue Plakette zu erhalten:

  • Benzin-Pkw ohne Direkteinspritzer ab Euro 3, GDI ( Direkteinspritzer) ab Euro 6d
  • Erdgasfahrzeuge (CNG/LPG) ab Euro 3
  • Alle E-Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotor
  • Diesel-Pkw  mit Euro 6 (im Realbetrieb) und ältere Diesel mit nachgerüsteter Abgasreinigungs-Technik, wenn sie die NOx-Werte von Euro 6 auch im Realbetrieb einhalten

Müssen Dieselfahrer mit Fahrverboten in Städten rechnen?

Viele Städte in Deutschland stehen unter Druck, weil sie die in der Luftreinhalterichtlinie vorgegebenen Grenzwerte für NOxnicht einhalten. Die Deutsche Umwelthilfe möchte saubere Luft auf dem Gerichtsweg einklagen: Sie hat mehrere Städte verklagt und alle bereits entschiedenen Fälle gewonnen. Die betroffenen Städte müssen Maßnahmenpläne für eine Verbesserung der Luftqualität vorlegen. Zu den Maßnahmen könnten auch Fahrverbote gehören. Konkrete Fahrverbote sind bereits geplant in München, Düsseldorf und Hamburg. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig könnte die Fahrverbote allerdings noch kippen. Ein entsprechendes Urteil darüber, ob Fahrverbote grundsätzlich rechtens und verhältnismäßig sind, wird für Herbst 2017 erwartet.

Welche Ergebnisse hat der Diesel-Gipfel gebracht?

Anfang August 2017 hatten das Verkehrsministerium und das Umweltministerium Vertreter der Automobilindustrie sowie Entscheidungsträger der Länder zum „Nationalen Forum Diesel“ eingeladen, um Themen wie Nachrüstung und Kostenübernahme zu diskutieren. Hier finden Sie das offizielle Ergebnis des ersten Diesel-Gipfels: Die Autobauer in Deutschland sollen insgesamt 5,3 Millionen Diesel-Pkw der Euro-Normen 5 und 6 mit einem Software-Update kostenlos nachrüsten. Dadurch sollen die Abgase der Autos gesenkt werden. Darüber hinaus sollen Hersteller Umstiegsprämien anbieten, wenn Verbraucher sich für den Kauf eines neuen Diesel oder Elektroautos entscheiden und ihren alten Diesel stilllegen. Auch internationale Wettbewerber wurden zu entsprechenden Maßnahmen aufgefordert. Außerdem wird der Bund einen Fonds „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“ einrichten, der gemeinsam vom Bund und den Herstellern finanziert werden soll. Fahrverbote sind vorerst nicht ausgesprochen worden.


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