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Siegel, die faire und / oder soziale Aspekte entlang der textilen Kette berücksichtigen

 

Sie wollen ökologisch- und sozialverträglich produzierte Bekleidung tragen? Kein Problem! Orientieren Sie sich einfach an den unten aufgeführten Siegeln!

Denn anders als bei Biolebensmitteln, sind bei Textilien Aussagen wie "bio", "öko" oder „organic“ nicht geschützt. Gesetzlich geschützt und kontrolliert ist nur der Begriff „kbA“ für den kontrolliert biologischen Anbau der Rohstoffe, wie z.B. Baumwolle und Leinen und „kbT“ für die „kontrolliert biologische Tierhaltung“ bei Schaf- bzw. Schurwolle.

EcoTopTen stellt Ihnen hier nur Siegel vor, die von unabhängigen Stellen zertifiziert werden und so eine Garantie auf die Einhaltung ihrer Kriterien gewährleisten. Nicht alle aufgeführten Siegel beachten die Produktion der Textilien entlang der gesamten textilen Kette (vgl. Abbildung "Textile Kette" LINK) oder kennzeichnen sowohl Textilien aus Naturfasern (Baumwolle etc.) als auch aus Kunstfasern (Polyester etc.). Um Ihnen einen besseren Überblick über die wichtigsten Siegel zu geben, haben wir Ihnen die wichtigsten Kriterien in einer Tabelle zusammengestellt und bewertet. So können Sie selbst sehen, welche Lebensabschnitte entlang der textilen Kette berücksichtigt werden und welche Fasertypen das Siegel abdeckt.

 

Die unten aufgeführte EcoTopTen-Labelübersicht als kompakte pdf-Datei finden Sie hier [pdf-Download]

 

Eine ausführlichere Übersicht über die genannten Siegel finden Sie zum Downloaden hier [pdf-Download]

 

Wo Sie Textilien mit den unten aufgeführten Siegel kaufen können, zeigen wir Ihnen hier

 

Sie suchen nachhaltige Outdoor-Bekleidung? EcoTopTen zeigt Ihnen, woran Sie diese erkennen und welche Anbieter es bereits gibt  [pdf-Download]

 

Über die genannten Label hinaus existieren im textilen Bereich auch weitere unternehmenseigene Siegel, wie beispielsweise Pure Wear von OTTO, Green Cotton von Novotex, Bio Cotton von C&A oder Organic Cotton von H&M. Diese werden an dieser Stelle nicht weiter erläutert. Sie kennzeichnen zwar durchaus Produkte aus 50 (Pure Wear) bis 100 Prozent Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau, sind aber nur eingeschränkt unabhängig, da es sich um firmeneigene Zeichen handelt.  

 

 

Überblick über Label für Bekleidung, die ökologisch und sozialverträglich produziert wurde

Label /  Bezeichnung

Anmerkungen
Umweltbezug2 Sozialverträglichkeit3 Gesundheit4

Textilien aus Naturfasern

Naturtextil IVN zertifiziert BEST ++ BEST weist derzeit die höchsten Ansprüche an textile Naturfasern auf. Es umfasst dabei die gesamte textile Kette, sowohl in ökologischer als auch in sozialverantwortlicher Hinsicht.
Globale Organic Textile Standard (G.O.T.S.) 5 ++ Umfassende Nachhaltigkeitskriterien, die über gesetzliche Vorgaben hinaus reichen. Sie berücksichtigen sowohl die Rohstoffgewinnung, die Verarbeitung, die Arbeitsbedingungen und die Verpackung.
Hessnatur6 7 ++ Umsetzung hoher ökologischer und sozialer Ansprüche entlang der gesamten textilen Kette. Mit der Zertifizierung durch die Fair Wear Foundation und den Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft verpflichtet sich Hess Natur zur Einhaltung international anerkannter Mindestarbeitsnormen und ökologischen Standards und gewährleistet die Unabhängigkeit der Zertifizierungen.
Naturland ++ Umfassende Nachhaltigkeitskriterien, die über gesetzliche Vorgaben hinaus reichen, von der Rohstoffgewinnung, über die Verarbeitung bis hin zu den Arbeitsbedingungen und der Verpackung.
bioRe ++ Deckt die gesamte Bandbreite an Nachhaltigkeitskriterien ab, die zumeist über die gesetzlichen Vorgaben hinaus reichen. Als Zielorientierung für ihre Sozialstandards gilt der SA 8000 Standard (keine Kinder- und Zwangsarbeit, gesundes und sicheres Arbeitsumfeld, keine Diskriminierung, regulierte Arbeitszeiten, Mindestlöhne und gesetzlich vorgesehene Sozialbeiträge).
Fairtrade 8 + Umfassende soziale Kriterien, die weit über die gesetzl. hinaus gehen (z.B. fester Mindestpreis plus Prämie für Gemeinschaftsprojekte). Adressiert auch Umweltaspekte (z.B. umweltfreundliche Anbaumethoden, keine genmanipulierte Saat). Allerdings gibt es keine expliziten Anforderungen an das Endprodukt.
Cotton made in Africa 9 10 Ökonomische, ökologische und soziale Aspekte auf der Ebene des Baumwollanbaus. Dieser ist jedoch nicht kontrolliert biologisch, sondern konventionell. Die Mindestanforderungen an die Arbeitsbedingungen liegen unter denen der ILO-Kernarbeitsnormen. Im Gegensatz zu Fairtrade (fester Mindestpreis), gibt es eine gezielte Absatzförderung. Die Lizenzeinnahmen aus der Labelnutzung fließen anteilig - in Form von sozialen Projekten - zu den Produzenten. Besonderheit: Förderung von Projekten ausschließlich in Afrika.
NATURLEDER IVN zertifiziert Anforderungen an die tierischen Rohäute: √ ++ NUR für LEDER: Umfassende Nachhaltigkeitskriterien, die über gesetzliche Vorgaben hinaus reichen, von der Gewinnung der Rohhäute, über die Verarbeitung bis hin zu den Arbeitsbedingungen und der Verpackung.

Textilien aus Natur- und Kunstfasern

bluesign® system 11  √12 ++ Adressiert alle wesentlichen Umweltauswirkungen entlang der Wertschöpfungskette, sowohl von Natur- als auch von Kunstfasertextilien: Anforderungen hinsichtlich Ressourcen- und Energieverbrauch, Arbeitsschutz, Luftemissionen in der Textilveredlung und Einsatz von fluorierten Treibhausgasen und ozonschädigenden Substanzen
Europäische Umweltzeichen („Euroblume“) 13 + Adressiert ökologische und gesundheitliche Aspekte, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Soziale Produktionskriterien und ökologische Anbaukriterien existieren nicht. Das Europäische Umweltzeichen ist nicht zu verwechseln mit einer Kennzeichnung als Bioprodukt!=> in Deutschland werden bisher hauptsächlich Berufsbekleidung und Garne angeboten.
Textiles Vertrauen nach Oeko-Tex® Standard 100plus + Adressiert vor allem gesundheitliche und ökologische Kriterien, aber auch soziale Standards, die nicht alle ILO-Kernarbeitsnormen abdecken. Es kennzeichnet demnach schadstoffgeprüfte Textilien, die in Betrieben hergestellt wurden, die bestimmte Umweltstandards verfolgen. Aspekte der Rohstoffgewinnung werden nicht betrachtet. ACHTUNG: hierbei handelt es sich NICHT um das sehr häufig vorkommende Label „Textiles Vertrauen – Schadstoffgeprüfte Textilien nach Oeko-Tex® Standard 100“ (ohne plus).
Textiles Vertrauen Schadstoffgeprüfte Textilien nach Öko-Tex Standard 100 Kennzeichnet lediglich schadstoffgeprüfte Textilien, die humanökologisch unbedenklich sind. Da es sich hierbei also um ein rein auf gesundheitliche Aspekte bezogenes Siegel handelt, das weder ökologische, noch soziale Aspekte adressiert, wurde es im Sinne der Nachhaltigkeit nur mit "eingeschränkt empfehlenswert" beurteilt.
Fair Wear Foundation (FWF) + Reiner Sozialstandard, mit dem Focus auf die Produktionsphase der Näharbeiten. Der hierbei zugrunde liegende „Code of Labour Practices“ berücksichtigt u.a. Arbeitszeitbegrenzung und Zahlung eines existenzsichernden Lohns und beruht auf den ILO-Kernarbeitsnormen. Durch die Zusammenarbeit mit unabhängigen NGOs, die Umsetzungsverpflichtung für die Unternehmen und die externen Kontrollen ist der Ansatz der Fair Wear Foundation in Bezug auf die Arbeitsbedingungen der NäherInnen als empfehlenswert einzustufen.
Blauer Engel“ für Textilien (RAL-UZ 154) ++ Legt anspruchsvolle Kriterien zugrunde, die deutlich über gesetzliche Vorschriften hinausgehen. Viele wichtige Umweltaspekte entlang der textilen Kette werden berücksichtigt. Ebenso die Einhaltung der Kernarbeitsnormen der internationalen Arbeiterorganisation (ILO). => Derzeit gibt es jedoch noch keine Zeichennehmer.

Stand Tabelle: Mai 2013

Legende

Bewertung
++ sehr empfehlenswert
+ empfehlenswert
eingeschränkt empfehlenswert
Kriterien
erfüllt
zum Teil erfüllt

  1. Die Herstellung des textilen Produktes bezieht sich hier auf die gesamte textile Kette, d.h. von der Faserproduktion, über die Veredelung bis hin zur Konfektionierung (vgl. hierzu auch die Abbildung "Textile Kette").

  2. Festlegung von Kriterien, die die Umweltauswirkungen entlang der textilen Kette abdecken (z.B. Pestizideinsatz).

  3. Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen bzw. gleichwertiger Unternehmensstandards wie z.B. die 10 Prinzipien der UN GLOBAL Compact-Initiative

  4. Festlegung von Kriterien, die die gesundheitliche Unbedenklichkeit des Endproduktes für den/die Verbraucher/in sicherstellen.

  5. Es gibt zwei Varianten von GOTS:
    „GOTS - organic“: ≥ 95% Fasern aus zertifiziertem Bio-Anbau bzw. Anbau in Umstellung auf Bio-Anbau, ≤ 5 % Fasern aus konventionellem Anbau oder synthetischen Fasern
    „GOTS - made with x % organic materials": ≥ 70% Fasern aus zertifiziertem Bio-Anbau bzw. Anbau in Umstellung auf Bio-Anbau und ≤ 30% Fasern aus konventionellem Anbau / ≤ 10% synthetische Fasern

  6. Aufgrund des Vollsortiments an zertifizierter Kleidung kann die Marke „Hessnatur“ als herstellereigenes Label angesehen werden.

  7. Naturfasern aus kontrolliert biologischem Anbau/Tierhaltung werden bevorzugt (viele Fasern sind jedoch noch nicht oder nicht in ausreichender Menge in Bio-Qualität verfügbar, zum Beispiel Hanf, Ramie oder die Edelhaare wie Kamelhaar, Alpaka oder Kaschmir)

  8. Fairtrade-Baumwolltextilien müssen nicht aus kbA-Baumwolle stammen. Fairtrade fördert aber den biologischen Anbau und zahlt einen Bio-Aufschlag.

  9. Der Baumwollanbau erfolgt auf konventionellen kleinbäuerlichen Plantagen, die schrittweise optimiert werden sollen: weniger Dünger, weniger Pestizide, Fruchtfolgen usw.. CmiA kennzeichnet daher KEINE Biobaumwolle. Genmanipuliertes Saatgut ist jedoch verboten.

  10. Mindestanforderungen umfassen nicht die ILO-Kernarbeitsnormen. Ausschlußkriterien sind lediglich: Sklaverei, Menschenhandel und Kinderarbeit.

  11. Das bluesign® system setzt hier zwar Kriterien, diese sind aber nicht so streng, wie die Kriterien für den kontrolliert biologischen Anbau.

  12. Anforderungen sind identisch zu den Kernarbeitsnormen der ILO und gehen z.T. über sie hinaus, zusätzlich werden Anforderungen an den Arbeitsschutz gestellt.

  13. z.T. werden hier Anforderungen an die Produktionsweise der Kunstfasern gestellt. Bei Baumwolle wird aber bspw. nur die Einhaltung bestimmter Schadstoffkonzentrationen gefordert. Link zur Verordnung 2009/567/EG.

Die Übersicht basiert auf eigenen Recherchen im Frühjahr 2013.


Stand 03.06.2013